Die Direktvermarktung ist der zentrale Pfeiler für den wirtschaftlichen Betrieb von Wind- und Solarparks. Während ein PPA (Power Purchase Agreement) auf langfristige Festpreise mit einem Partner setzt, öffnet die Direktvermarktung (DV) den direkten Zugang zum Strommarkt. Dabei gibt es je nach Risikoprofil und Anlagentyp unterschiedliche Modelle, um den erzeugten Strom zu monetarisieren.
1. Marktprämienmodell (Geförderte Direktvermarktung)
Das Marktprämienmodell ist der Standard für Anlagen innerhalb des EEG-Förderrahmens. Es soll Betreiber an den Markt heranführen, ohne sie dem vollen Preisrisiko auszusetzen.
- Funktionsweise: Der Betreiber verkauft den Strom an der Börse. Da der Marktwert schwankt, zahlt der Netzbetreiber die sogenannte Marktprämie aus. Diese gleicht die Differenz zwischen dem (monatlichen) Durchschnitts-Börsenpreis und dem staatlich festgelegten „anzulegenden Wert“ aus.
- Referenzwert: Hier ist der Monatsmarktwert entscheidend. Er glättet tägliche Preisschwankungen und bietet dem Betreiber eine stabile Umsatzbasis, unabhängig von kurzfristigen Spotmarkt-Ausschlägen.
2. Sonstige Direktvermarktung (Spotmarkt-Modelle)
In der sonstigen Direktvermarktung entfällt die Marktprämie. Der Erlös hängt rein von den erzielten Preisen an der Strombörse (EPEX Spot) ab. Hierbei haben sich zwei wesentliche Vertragstypen etabliert:
Das „Spot-Positiv“-Modell (Schutz vor Negativpreisen)
Dieses Modell ist darauf ausgelegt, Verluste in Zeiten von Überangebot zu vermeiden.
- Der Mechanismus: Die Anlage speist ein, solange die Börsenpreise positiv sind. Fällt der Strompreis unter 0 € (Negativpreise), wird die Anlage über den Direktvermarkter automatisch abgeregelt, der hierfür üblicherweise eine Gebühr berechnet.
- Ziel: Der Betreiber verdient bei hohen Preisen mit, stellt aber sicher, dass er niemals Geld für die Einspeisung bezahlen muss („0-Cent-Floor“).
Das „Spot-Negativ“-Modell
Hier wird jede erzeugte Kilowattstunde zum jeweiligen Viertelstundenpreis vergütet – ohne automatische Korrektur.
- Risiko: In Phasen mit negativen Preisen zahlt der Betreiber für die Abnahme seines Stroms. Dieses Modell wird meist nur gewählt, wenn die Anlage ohnehin durch Speicher oder Sektorenkopplung flexibel reagieren kann.
Fazit: Welches Modell passt?
Die Wahl des Direktvermarktungsmodells hängt primär vom Risikoappetit des Betreibers ab. Während das Marktprämienmodell durch den Monatsmarktwert maximale Stabilität bietet, ermöglicht die sonstige Direktvermarktung via Spot-Positiv eine effiziente Mark Teilnahme bei gleichzeitigem Schutz vor Negativpreisen.